Film: „dass das heute noch immer so ist… – Kontinuitäten der Ausgrenzung“

Der Dokumentarfilm „…dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter Asozialer im Nationalsozialismus. Maria Potrzeba wurde vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu dem polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska zu haben. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Nach einem Verhör durch die Gestapo wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark eingeliefert. Florian Spionska wurde öffentlich gehängt. Maria leidet bis heute unter der Verfolgung. Wie in allen Familien gibt es auch in ihrer Familie generationsübergreifende Auswirkungen der Verfolgungsgeschichte. Nichten und Neffen berichten, wie sie von der Verfolgung ihrer Tante erfahren haben und was diese Geschichte für sie bedeutet.

Wann? Freitag, 27. Mai 2016, 19:30 Uhr
Wo? Villa Dunkelbunt, Barnerstraße 42 (Hinterhof)

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„Normalisierung und Nicht-Arbeit: Hippies, Gammler und Langhaarige in den sechziger Jahren“

Vortrag mit Bodo Mrozek

Mitte der sechziger Jahre rückten langhaarige junge Männer ins Zentrum einer gesellschaftlichen Debatte, die ältere Sozialtypen wie den „Eckensteher“ oder den „Halbstarken“ aktualisierte. In Kontroversen über Jugendliche, die mit demonstrative Nicht-Arbeit in den Stadtzentren provozierten, verdichteten sich Diskurse über jugendliches Verhalten, Männlichkeit und Weiblichkeit, die Nutzung des öffentlichen Raumes und die Zuständigkeiten des Staates. Die gegen Abweichler*innen in Stellung gebrachte Nützlichkeitsideologie wurde von Denormalisierungsängsten grundiert und mobilisierte neue Regierungstechnologien, führte aber langfristig zu veränderten Rollenbildern. Der Vortrag kontextualisiert Fallbesipiele aus der Bundesrepublik mit internationalen Debatten über Asozialität.

Wann? Dienstag, 10.Mai 2016, 19:30 Uhr
Wo? Infoladen Wilhelmsburg, Fährstr.48

Hinweise, Texte, Links (nach Themen sortiert)

Dies ist eine gänzlich unvollständige Sammlung, Hinweise auf Texte, Links und Menschen, über die wir während unserer Recherche gestolpert sind. Schreibt uns gern, falls ihr Ergänzungen habt: ak-kritische-asozialitaet@gmx.de

Hinweise zum Thema :“Asoziale“ im NS

Liste der Literatur zum Stichwort „Asoziale“ in verschiedenen KZ-Gedenkstätten Bibliotheken

Ayaß, Wolfgang: „Asoziale“ im Nationalsozialismus, Stuttgart 1995.

Ayaß, Wolfgang: „Asozial“ und „gemeinschaftsfremd“ Wohnungslose in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.

Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik 6: Feinderklärung und Prävention. Kriminalbiologie, Zigeunerforschung und Asozialenpolitik, Berlin 1988.

Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes (Hg.): Verachtet – verfolgt – vernichtet, Hamburg 1988.

Schikorra, Christa: Kontinuitäten der Ausgrenzung. „Asoziale“ Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, Berlin 2011.

Sedlaczek, Lutz; Puvogel, Tomkowiak (Hg.): „minderwertig und asozial“. Stationen der Verfolgung gesellschaftlicher Außenseiter, Zürich 2005.

Referat zur Ausstellung über das Frauen- und Mädchenkonzentrationslager Uckermarck „Ihr seid nicht vergessen!“.

Limbächer, Katja: Keine wesentliche Unterbrechung? – Die Ausgrenzung „Asozialer“ im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, in CEE IEH #10, online, letzter Zugriff 28.02.2007.

 

Fehlende Anerkennung. (Nicht-)Entschädigung.

Arbeitskreis Marginalisierte – gestern und heute

Zentralrat der Asozialen in Deutschland

„Opfergruppe anerkennen“ – Interview mit Tucké Royale (Erster Sprecher des ZAiD) in der Jungle World, 02.04.2015.

Grund, Stefan: Auch Asoziale dürfen einen Zentralrat gründen, auf welt.de, 21.03.2015.

 

Hinweise zum Thema: „Asoziale“ in der DDR

Fannrich-Lautenschläger, Isabel: „Arbeitsscheu“ gleich llegal – Politische Gefangene in der DDR, auf taz.de, 20.07.2015.

Korzilius, Sven: Asozialität mit Tradition – Die Entstehung und Entwicklung des § 249 StGB der DDR.

Korzilius, Sven: „Asoziale“ und „Parasiten“ im Recht der SBZ/DDR – Randgruppen im Sozialismus zwischen Repression und Ausgrenzung, Köln 2005.

Raschka, Johannes: Mobilisierung zur Arbeit – Die Verfolgung von „Parasiten“ und „Asozialen“ in der Sowjetunion und in der DDR 1954-1977. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Berlin 2005. Inhalt Zeitschrift.

Schroeder, Friedrich-Christian: Zweifel an der Asozialenkriminalisierung in der DDR. In: JuristenZeitung, 42. Jg., Nr. 21, Tübingen 1987, S. 1004-1008.

Windmüller, Joachim: Ohne Zwang kann der Humanismus nicht existieren… „Asoziale“ in der DDR, Frankfurt a.M. 2006. Inhaltsverzeichnis.

Zeng, Matthias: „Asoziale“ in der DDR – Transformationen einer moralischen Kategorie, Münster 2000.

Zeng, Matthias: „Asoziale“ – moralische und politische Kategorie im Kampf gegen das Andere im „real existierenden Sozialismus“ der DDR.

 

Kontinuitäten. Klassismus. Sozialchauvinismus.

„Niemand ist vergessen“ – Initiative im Gedenken an Dieter Eich

„Schon vergessen?“ – Bündnis in Gedenken an Eckard Rütz und Klaus Dieter Gerecke

„Kein Vergessen“ – Initiative zur Erinnerung an den Mord an Frank Bönisch

Friedrich, Sebastian: Fett, faul, fernsehsüchtig – Das Arbeitslosenstereotyp in den Medien und seine Funktion.

Fröschner, Joschka: Marginalisiert in Leben und Tod – Wohnungslose als Opfer rechter Gewalt.

Steinwachs, Britta / Baron, Christian: „Faul, frech, dreist“ – Die Diskriminierung von Erwerbslosigkeit durch BILD-Leser*innen. Rezension auf kritisch-lesen.de.

Steinwachs, Britta: Zwischen Pommesbude und Muskelbank – Die mediale Inszenierung der „Unterschicht“, Münster 2015.

Teidelbaum, Lucius: „Penner klatschen“ – Über Obdachlosen-Feindlichkeit.

Teidelbaum, Lucius: Sozialdarwinistische Zustände – Wohnungs- und Obdachlose als vergessene Opfer rechter Gewalt.

Teidelbaum, Lucius: Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus, Münster 2013. Kurzbeschreibung beim Verlag.

Motiv „Penner klatschen“ – Über Obdachlosen-Feindlichkeit. Gespräch mit Lucius Teidelbaum auf freie-Radios.net

 

Fahrradtour: Auf den Spuren des Arbeitserziehungslager Wilhelmsburg (1943-1945)

Fahrradtour mit Martin Reiter.

Das Arbeitserziehungslager (AEL) Wilhelmsburg wurde im April 1943 auf Antrag der Gestapo Hamburg eingerichtet. In den Planungen 1941 waren die AEL noch maßgeblich zur “Disziplinierung” der deutschen Arbeiter gedacht, später wurden vor Allem ausländische Zwangsarbeiter*innen hier inhaftiert. Bisher lassen sich Häftlinge aus mindestens 15 Ländern nachweisen. Im AEL sollten den Häftlingen jeglicher Widerstandswille gebrochen werden. Die Bedingungen waren sehr hart. Mindestens 182 Menschen überlebten die Haftzeit in Wilhelmsburg nicht. Diejenigen, die überlebten, kamen schwer gezeichnet in die Betriebe zurück, wo sie dem Rest der Belegschaft als Abschreckung dienen sollten.

Die Radtour dauert ca. 3 Std. und macht zwischen Altona und Wilhelmsburg an mehreren Stationen Halt.

Wann? 29.Mai, 11:00 – 14:00 Uhr
Wo? Viktoria Kaserne, Zeiseweg 9, 22765 Hamburg

je suis asozial

Vortrag und Diskussion mit dem Arbeitskreis kritische Asozialität und Sebastian Friedrich.

In unserem Alltag ist die Affinität zum Asozialen längst Praxis geworden – im schmuddeligem Unterhemd, miesem Jogger, Dosenbier und Vokuhila Perücke erobern wir die Trash Parties dieser Stadt. Verranzte Eckkneipen werden zum Place to be, und wer dann Leute in Steilshoop mit Handschlag begrüßt, hat’s endgültig geschafft. Cool ist, wer vor´m Kiosk säuft, und die neuen Adiletten der Straße präsentiert.

Die Aneignung des Asozialen finden in unterschiedlichen (Jugend-)Szenen statt – so auch beim Fußball, Hip Hop oder Punk. Aber was wird überhaupt als asozial verhandelt und was ist so faszinierend daran? Wie kann eine kritische Reflektion dessen aussehen und wie der Hype trotzdem aufrechterhalten werden? Und was ist eigentlich Slumming?

Wann? 6. Juni, 20 Uhr
Wo? Südpol, Süderstraße 112

Obdachlosen-Feindschaft

Vortrag mit Lucius Teidelbaum.

Obdachlose sind die vergessenen Opfer der Gesellschaft. Sie werden von
Staat und Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen.
Rechte TäterInnen praktizieren gegen obdachlose Menschen einen
Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes
vorbereitet wird.
Die MörderInnen eines Obdachlosen 2000 in Ahlbeck waren der Meinung,
dass „Asoziale und Landstreicher hätten im schönen Ahbeck nichts zu
suchen“. Die Mörderinnen eines Obdachlosen in Greifswald gaben an, ihre
Opfer angegriffen zu haben, weil „so einer [...] dem deutschen
Steuerzahler auf der Tasche liegt“. Offenbar steht die Gewalt gegen
Obdachlose und sozial Schwache im unmittelbaren Zusammenhang mit
gesellschaftlichen Klima und der kapitalistischen Maxime von der
Verwertbarkeit der Menschen.
Das brutale Ergebnis sind je nach Statistik von 33 bis zu über 100
ermordete Obdachlose seit 1990.

Der Vortrag soll versuchen diese Gewalt in ihrer unterschiedlichen Form
darzustellen, zu analysieren und die Ursachen zu benennen.

Wann? Mittwoch, 18. Mai, 19:30 Uhr
Wo? Sauerkrautfabrik, kleiner Schippsee 22